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Zweite Komplet zur Fastenzeit


2. Passionskomplet (26. Februar 2021)


Einleitung:

Lasst uns beten um Gottes Segen!

Eine ruhige Nacht und ein seliges Ende,

verleihe uns der Herr, der Allmächtige.

Amen.



Votum:

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.



Sündenbekenntnis:

Wir bekennen Gott, dem Allmächtigen,

daß wir gesündigt haben mit Gedanken, Worten und Werken:

unsere Schuld, unsere Schuld, unsere große Schuld

Darum laßt uns füreinander beten zu Gott, unserm Herrn:

Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben.

Amen.



Psalm:

Der Herr ist meine Zuflucht,

mein Gott, dem ich vertraue.

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt

und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibet,

der spricht zu dem Herrn:

Meine Zuversicht und meine Burg,

mein Gott, auf den ich hoffe.

Denn er errettet dich vom Strick des Jägers,

von der Pest und vom Verderben.

Er wird dich mit seinen Fittichen decken,

und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.

Dein Schirm und Schild ist Wahrheit,

daß du nicht erschrecken mußt vor dem Grauen der Nacht,

vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,

vor der Pest, die im Finstern schleicht,

vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

Denn der Herr ist deine Zuversicht,

der Höchste ist deine Zuflucht.

Der Herr ist meine Zuflucht,

mein Gott, dem ich vertraue.

Es wird dir kein Übel begegnen,

keine Plage wird sich deinem Hause nahen.

Denn er hat seinen Engeln befohlen,

daß sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

daß sie dich auf den Händen tragen

und du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.

Du wirst gehen über Löwen und Ottern

und niedertreten junge Löwen und Drachen.

„Er liebt mich, darum will ich ihn erretten;

er kennt meinen Namen, darum will ich ihn schützen.

Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören;

ich bin bei ihm in der Not,

ich reiße ihn heraus und bringe ihn zu Ehren.

Ich will ihn sättigen mit langem Leben,

mein Heil will ich ihm zeigen.“ (Psalm 91)

Der Herr ist meine Zuflucht,

mein Gott, dem ich vertraue.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit

und in Ewigkeit. Amen.

Der Herr ist meine Zuflucht,

mein Gott, dem ich vertraue.



Thema der 2. Fastenwoche: „Von der Rolle“


Lesung:

Und des Herrn Wort geschah zu mir:

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete,

und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest,

und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Ich aber sprach:

Ach Herr, Herr, ich tauge nicht zu predigen;

denn ich bin zu jung.

Der Herr sprach aber zu mir:

Sage nicht „Ich bin zu jung“,

sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende,

und predigen alles, was ich dir gebiete.

Fürchte dich nicht vor ihnen;

denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr. (Jeremia 1, 4-8)



Meditation:

In meiner Familie war es ein geflügeltes Wort. Immer, wenn wir Kinder uns um eine Aufgabe herum drücken wollten, nicht unser Zimmer aufräumen, nicht die Eltern beim Sonntags-Nachmittags-Spaziergang begleiten, dann sprach unser Vater stets: „Warum erschlug der Teufel seine Großmutter?“ Und wir Kinder mussten mit einstimmen: „Weil sie keine Ausrede mehr wusste!“


Und dann räumten wir das Zimmer auf oder machten uns fein für den Sonntags-Ausflug. Wer keine Ausrede mehr hat, ist schlecht dran. Eine gute Ausrede hilft mir, in Ruhe gelassen zu werden. Wenn wir ehrlich sind, dann wird das den meisten von uns nicht fremd sein. Eine Aufgabe, auf die ich keine Lust habe, die mir zu unbedeutend oder mir zu groß erscheint; eine, die mir vielleicht sogar Angst macht, weil sie mich überfordern könnte: Dann muss eine Ausrede her – und zwar eine gute!

„Ich bin zu jung dazu!“ Das war alles, was Jeremia einfiel, als er das Amt des Propheten übernehmen sollte.


Gott hat das nicht überzeugt. Im ersten Kapitel des Jeremia-Buches klingt diese Geschichte so:

Des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete,

und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.


Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.


Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.“

Ich bin zu jung. So schlecht war die Ausrede nicht.


Wenn Gott einen zu den Königen und Mächtigen schicken will, um sie zu mahnen, ihre Macht nicht zu missbrauchen und sie daran zu erinnern, dass sie auch nur Menschen sind wie die, die sie knechten, dann brauchen wir doch einen mit politischer Erfahrung. So jung und unbedeutend wie Jeremia war, würde der noch nicht einmal in das Vorzimmer eines Ministers vorgelassen werden.


Ich bin einfach zu jung. Jeremia hat eine gute Ausrede – denkt er! Aber er hat nicht zugehört. Ich kannte dich, bevor du geboren wurdest und machte dich schon vor deinem Leben zum Propheten. Wir Christen reden so gern – und zu recht – vom Leben nach dem Tod. Bei Gott – so hören wir heute – gibt es auch ein Leben vor der Geburt. Gott kannte Jeremia, noch bevor er ihn erschuf.

Schon vor unserem Leben haben wir einen Namen bei Gott; will sagen, sind wir vor unserem Schöpfer unverwechselbar. So auch Jeremia. Gott beruft ihn nicht zum Propheten, weil er Lebenserfahrung hat, weil er sich ausgezeichnet hat als ein vielleicht besonders frommer oder wichtiger Mann. Er wird Prophet, weil sein Schöpfer ihn dazu macht.


Von wegen zu jung. Er war noch nicht mal geboren, da war es bei Gott beschlossen: Du bist mein Prophet vor Königreichen und Völkern. Jeremia hat eine denkbar schlechte Ausrede, als Gott mit ihm spricht. Genau darum geht es jetzt, nachdem wir die Ausreden hinter uns haben. Gott spricht mit Jeremia. Gott mutet es ihm zu, in einer Reihe mit den Propheten Moses, Debora, Samuel und Jesaja stehen zu müssen – dieser junge Mann soll es all diesen bedeutenden Gottesmännern und -frauen gleich tun.


Und Gott traut es ihm zu. Denn Gott spricht mit ihm und wird mit ihm sprechen. Im doppelten Sinne: Gott redet mit dir und wird mit dir zu den Königen und zu allem Volk reden. Mit deinem Mund, Jeremia, redet dein Gott. Deshalb schreibt Jeremia von seiner Berufung: Des Herrn Wort geschah zu mir. Jeremia hört es nicht. Gottes Wort geschieht. Deshalb half keine Ausrede. Denn wenn Gott spricht, ist sein Wort schon Wahrheit und Wirklichkeit. Gott überwindet, was seinem Wort im Wege steht.


Seien es die Ausreden seiner Propheten, seiner Amtsträger oder die all zu beschäftigte Gemeinschaft seiner Getauften - oder seien es die Könige und Mächtigen, die sein Wort nicht hören wollen, weil es sie entlarvte als den Menschen und des Lebens feind. Das ist vielleicht das schwerste und die wahre Macht des Wortes Gottes: Keine Ausreden mehr. Wir kommen nicht drum herum.


Kam Christus ja auch nicht – noch nicht einmal ums Kreuz herum. Er kam am Kreuz um. Mir wären 1000 Ausreden eingefallen. Ihm nicht eine. Denn er ist ja das eine Wort Gottes.



Canticum:

Hilf uns, Herr, wenn wir wachen

und behüte uns, wenn wir schlafen;

auf daß wir wachen mit Christus

und in Frieden ruhen.

Herr, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren,

wie du gesagt hast;

denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,

den du bereitet hast vor allen Völkern,

ein Licht, zu erleuchten die Heiden

und zum Preis deines Volkes Israel.

Hilf uns, Herr, wenn wir wachen

und behüte uns, wenn wir schlafen;

auf daß wir wachen mit Christus

und in Frieden ruhen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit

und in Ewigkeit. Amen.

Hilf uns, Herr, wenn wir wachen

und behüte uns, wenn wir schlafen;

auf daß wir wachen mit Christus

und in Frieden ruhen.



Fürbitten der Nagelkreuzgemeinschaft:

Lasst uns beten für Nagelkreuzschulen in aller Welt:

- das St. Cyprians College in Kapstadt, Südafrika

- die Bethlehem Mar Ephrem School im Palestinensergebiet, Israel

- die Ramallah School in Jerusalem

- die St. Paul’s School in Concord, USA

- das ev. Lichtenstern Gymnasium in Sachsenheim, Deutschland

- das Lagan College in Belfast, Irland

Herr, segne du die Arbeit, die an all diesen Orten getan wird,

damit jungen Menschen der Gedanke von Frieden und Versöhnung ins Herz gepflanzt wird.



Versöhnungslitanei von Coventry:

„Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes,

den sie bei Gott haben sollten.“

Den Haß, der Rasse von Rasse trennt,

Volk von Volk, Klasse von Klasse:

Vater, vergib.

Das Streben der Menschen und Völker,

zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist:

Vater, vergib.

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt

und die Erde verwüstet:

Vater, vergib.

Unseren Neid auf das Wohlergehen

und Glück der Anderen:

Vater, vergib.

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen,

Heimatlosen und Flüchtlinge:

Vater, vergib.

Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt

und an Leib und Seele mißbraucht:

Vater, vergib.

Den Hochmut, der uns verleitet,

auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott:

Vater, vergib.

„Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebt einer dem anderen,

wie Gott euch vergeben hat in Christus!“



Gebet:

Wir kommen zu dir, Gott.

Denken wir!

Dabei ist es ganz anders: Du kommst zu uns!

Du stehst vor unsrer Tür. Unerwartet. Überraschend.

Lass nicht zu, dass uns vor Schrecken die Tür ins Schloss fällt. Stell deinen Fuß in die Tür.

Lass nicht zu, dass wir höflich stotternd dir den Einlass verwehren. Bring uns zum Schweigen.

Lass nicht zu, dass wir den Hinterausgang benutzen. Zeig, dass du auch diesen Schlüssel hast.

Lass dein Wort geschehen.

Nur so endet das Geplärr unsrer Ausreden.

Nur so weitet sich unser Herz wie unsre Türen.

Nur so geschieht dein Lob vor aller Welt. Amen.


Kyrie eleison.

Christe eleison.

Kyrie eleison.

à Vater unser:



Segensbitte:

Es segne und behüte uns

der allmächtige und barmherzige Gott,

Vater, Sohn uns Heiliger Geist.

Amen.