Suche
  • Redaktion

Vierte Komplet zur Fastenzeit


4. Passionskomplet (12. März 2021)





Einleitung:

Laßt uns beten um Gottes Segen!

Eine ruhige Nacht und ein seliges Ende,

verleihe uns der Herr, der Allmächtige.

Amen.





Votum:

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.





Sündenbekenntnis:

Wir bekennen Gott, dem Allmächtigen,

daß wir gesündigt haben mit Gedanken, Worten und Werken:

unsere Schuld, unsere Schuld, unsere große Schuld.


Darum laßt uns füreinander beten zu Gott, unserm Herrn:

Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben.


Amen.





Psalm:

Sei mir gnädig, Herr,

und erhöre mein Gebet.

Erhöre mich, wenn ich rufe,

Gott meiner Gerechtigkeit,

der du mich tröstest in Angst;

sei mir gnädig und höre auf mein Beten!

Ihr Herren, wie lange soll geschändet werden meine Ehre?

Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lüge so gerne.

Erkennt doch, daß der Herr seine Heiligen wunderbar führt;

der Herr hört, wenn ich zu ihm rufe.

Wenn ihr zürnt, so sündigt nicht;

redet in eurem Herzen auf eurem Lager und seid stille.

Sei mir gnädig, Herr,

und erhöre mein Gebet.

Opfert, was recht ist,

und hoffet auf den Herrn.

Viele sagen: „Wer läßt uns Gutes sehn?“

Herr, laß leuchten über uns das Licht deines Angesichts!

Du erfreust mein Herz,

ob jene auch viel Wein und Korn haben.

Ich liege und schlafe ganz in Frieden;

denn allein du, Herr, hilfst mir, daß ich sicher wohne. (Ps. 4)

Sei mir gnädig, Herr,

und erhöre mein Gebet.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit

und in Ewigkeit. Amen.

Sei mir gnädig, Herr,

und erhöre mein Gebet.




Thema der 4. Fastenwoche: „Dir zuliebe?“


Lesung:

Die Liebe ist langmütig und freundlich,

die Liebe eifert nicht,

die Liebe treibt nicht Mutwillen,

sie bläht sich nicht auf,

sie verhält sich nicht ungehörig,

sie sucht nicht das Ihre,

sie läßt sich nicht erbitten,

sie rechnet das Böse nicht zu,

sie freut sich nicht über die Unterechtigkeit,

sie freut sich aber an der Wahrheit;

sie erträgt alles,

sie glaubt alles,

sie hofft alles,

sie duldet alles. (1. Kor. 13, 4-7)




Meditation (Pfr. Bodo Meier):

Welch romantische Worte hören wir da von Paulus.

Der Abschnitt aus seinem ersten Korintherbrief ist berühmt,

weit über die Kirche und die Christenheit hinaus.

Oft, ganz oft werden diese Worte der Liebe während einer Trauung verlesen.

Zwei Menschen finden in Liebe zueinander und lassen sich trauen,

gehen die Ehe ein für ein Leben lang, in dem die Liebe niemals aufhören soll.


Mitten in der Passionszeit solche Liebe zu bedenken, scheint befremdlich,

denn Kreuz und Tod sind ja wohl alles andere als romantisch.

Natürlich haben wir schon im Kindergottesdienst gelernt,

dass Jesus aus Liebe zu uns gestorben ist.

Aber das war ja schließlich der Gottessohn.

Wir einfache Menschen sehnen wir uns nach der Liebe,

die uns erfüllt und nicht nach der, die uns opfert.


Obwohl auch das nicht selten von uns gefordert wird:

Ich liebe mein Kind, also muss ich Opfer bringen:

Meinen Job aufgeben, Tag und Nacht für das Kind da sein,

sein lassen, was mir bisher wichtig war.

„Beeindruckend“ sagen dann die Menschen über mich

„wie aufopfernd sie sich kümmert und dabei kein bisschen an sich selbst denkt!“

Auch das wird von der (Mutter-)Liebe erwartet.


Sie merken, liebe Mitchristinnen und Mitchristen, es ist nicht so einfach mit der Liebe:

Sie ist Sehnsucht nach Vollkommenheit. Und gleichzeitig Opfer bis zur Selbstaufgabe.


Was wir in unsren Zeiten von der Liebe erwarten,

wird so zum Widerspruch und scheitert nicht nur deswegen immer wieder.

„Liebe“ ist das häufigste Mord-Motiv.

Aus Liebe erschlagen die Männer ihre Frauen – jeden dritten Tag in unsrem Land!

Weil sie nicht erfüllt wird, diese Liebe, wie Ehemänner sie meinen.


Es war nicht immer so, dass die Menschen alles von der Liebe erwarteten,

sie überfrachteten und sie für allen Fragen des Lebens und Sterbens herhalten musste.

Über viele Jahrhunderte war die Liebe überhaupt kein Gefühl.

Geheiratet wurde nicht aus Liebe.

Ehen wurden politisch geschlossen oder aus dynastischen Gründen. Für die meisten galt aber: Ehen ging man ein, um wirtschaftlich abgesichert zu sein.

Kennen lernen und miteinander auskommen:

Das lernte man schon, wenn man erst mal verheiratet war.

Erst vor 200 Jahren wurde die Liebe zu dem, was wir heute darunter verstehen,

wie wir sie heute empfinden, nämlich als ein Gefühl.

Erst die Romantik, Anfang des vorletzten Jahrhunderts, pries die Liebe als die höchste Tugend.

Mann und Frau sollten nun in Liebe zueinander finden

und so in liebender Zweisamkeit die Schönheit und Vollkommenheit des Lebens abbilden. Freundschaften – also natürlich nur Männerfreundschaften –

durften nun keine Interessengemeinschaften mehr sein,

sondern mussten sich in der Liebe finden,

deren Band stärker und dauerhafter war als der Zusammenhalt der Familie.

Die Mutterliebe wurde zum Symbol der sich selbst aufgebenden Liebe um des Geliebten willen.

All das hat sich unausgesprochen bis heute bewahrt.


Mehr und mehr aber leiden wir unter diesen Ansprüchen der Liebe,

denen wir allzeit und überall gerecht werden wollen.

Mütter sind überfordert, Ehen scheitern, Freundschaften zerbrechen. Jeden Tag!

Weil wir die Liebe verlieren, von der wir dachten, sie währte ewig.

Dann fühlen wir uns schuldig oder wir klagen unbarmherzig an,

weil wir offensichtlich nicht alles getan haben, damit die Liebe bleibt.

„Die Liebe ist langmütig und freundlich. Die Liebe eifert nicht.

Die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf.“

Irgendwo dazwischen haben wir versagt, so denken wir – versagen wir täglich, so fürchten wir.


Wir hören längst nicht mehr, was Paulus uns schrieb –

1700 Jahre vor der Erfindung der romantischen Liebe.

Wir hören nur noch: „Wir müssen langmütig und freundlich sein.

Wir dürfen nicht eifersüchtig sein. Wir dürfen uns nicht aufblähen.“

Aber das ist keine Liebe. Das ist moralische Last und Selbst-Zermürbung!

Liebe ist weder ein Gefühl, das wir herbei führen und dann bewahren können,

noch fordert die Liebe Opfer für andere ein.


Die Liebe ist ein Geschenk. Wir können nicht darüber verfügen.

Aber sie ist uns im Überschwang geschenkt.


Als Gott uns schuf, tat er es aus Liebe. Denn er wollte ein Gegenüber schaffen.

Er wollte uns ansehen. Er wollte Leben mit uns teilen.

Als sein Sohn für uns starb, sah es für Außenstehende wie ein Opfer aus –

auch Christen nennen es bis heute so -, aber in Wahrheit geschah es aus Liebe.

Denn Gott wollte uns nah sein, sogar im Tode.


Liebe haben wir nicht zu erfüllen. Liebe geschieht!

Immer dann, wenn wir uns ansehen, wenn wir Lasten abnehmen.

Wenn es tatsächlich Liebe ist, werden wir nicht darunter zusammen brechen,

sondern darunter auferstehen, wie Jesus aus dem Grab.

Denn der Gottessohn wusste, dass er leiden und sterben würde –

und wusste, dass er am dritten Tage auferstehen würde.

Denn er wusste: Ich bin geliebt.


So auch wir: Wir sind geliebt. Also darf ich mich auch lieben.

„Lieben wie dich selbst!“ ist die Voraussetzung der Nächstenliebe.

Weil ich mich angenommen weiß, wie ich bin.

Weil ich geliebt bin, kann ich lieben.

Nicht aus mir heraus, sondern einfach weiter geben, was an mir geschah:

Ich bin lebendig. Ich bin frei.

Ich liebe, also bin ich!





Canticum:

Hilf uns, Herr, wenn wir wachen

und behüte uns, wenn wir schlafen;

auf daß wir wachen mit Christus

und in Frieden ruhen.

Herr, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren,

wie du gesagt hast;

denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,

den du bereitet hast vor allen Völkern,

ein Licht, zu erleuchten die Heiden

und zum Preis deines Volkes Israel.

Hilf uns, Herr, wenn wir wachen

und behüte uns, wenn wir schlafen;

auf daß wir wachen mit Christus

und in Frieden ruhen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit

und in Ewigkeit. Amen.

Hilf uns, Herr, wenn wir wachen

und behüte uns, wenn wir schlafen;

auf daß wir wachen mit Christus

und in Frieden ruhen.






Gebet:

Herr, mein Gott, lass mich erzählen:

Als ich meine Liebe verschenkte, wurde mir warm um’s Herz.

Als ich gegen Unrecht aufstand, bekam ich Rückgrat.

Als ich mein Leben teilte, wuchs mein Vertrauen in dich!

Dank sein dir, geliebter Gott.


Amen



Kyrie eleison.

Christe eleison.

Kyrie eleison.

----------> Vater unser...





Segensbitte:

Es segne und behüte uns

der allmächtige und barmherzige Gott,

Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Amen.