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Videopredigt zum Sonntag Okuli

Eine Predigt von Pfarrer Bodo Meier.



Online-Predigt zum Sonntag Okuli – 07. März 2021



Lieder zum Anhören, Genießen und Mitsingen:


Evangelisches Gesangbuch 598: Kreuz auf das ich schaue


Evangelisches Gesangbuch 391: Jesus geht voran




Predigt in Schriftform zum Nachlesen:


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unsrem Vater und unsrem Herrn Jesus Christus. Amen


„Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört, auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes“


So steht es im Epheserbrief, im fünften Kapitel. Das ist es also? Das ist geblieben vom Christentum? Die christliche Botschaft nur noch ein moralischer Appell, Sitte und Anstand zu wahren? Kaum ein Wunder, dass niemand mehr die Kirche hören will, wenn sie nicht mehr zu sagen hat.

Wie anders war das vor 2000 Jahren. Jesus und seine Jünger. Die Zwölf! Die 72 von ihm ausgesandten Männer und Frauen, in Gottes Namen zu predigen. Wie sind die Menschen ihnen nachgelaufen, nur um einen Blick auf ihn zu erhaschen, nur um ihn kurz berühren zu dürfen, nur um ein einziges Wort von ihm zu hören. Nie fühlten sich die Menschen so frei, so neu, so voller Hoffnung, wenn Jesus sie anschaute, zu ihnen sprach. Es kamen immer mehr, sein Gotteswort zu hören. Er brachte die Welt ins Wanken, weil mit ihm die Vollmacht Gottes mit Haut und Haar, in Wort und Tat in diese Welt kam: Vor den Bettler am Straßenrand, vor die Könige in ihren Palästen. Jesus! Er sprach nicht nur Worte. Sein Wort: Wahrheit, wenn er es nur sagte.


„Selig seid ihr!“ Und die Menschen weinten, weil sie spürten: Ich bin gesegnet, selig, ich bin geliebt und ich will davon erzählen!


„Weh euch!“ Und die Mächtigen bebten vor Wut und zitterten vor Angst, denn sie waren entlarvt: Was ihnen Segen schien, war doch nur Fluch den Ohnmächtigen. DieseLebenslüge wird aller Welt offenbar im Wort dieses Jesus.


Immer mehr folgten seinen Spuren, seinem Wort, seinen Wundern an den Menschenkindern: die Schwachen und Ausgebeuteten alle mal. Aber auch die Eingebildeten, die nicht mehr Kluges von sich gaben, sondern seinen Worten vom Leben zuhörten. Auch die Geizigen, die plötzlich teilen konnten, worauf sie gestern noch so stolz waren. Der Schuldig wurde, ging neben seinem Opfer. Der Betrogene vergab seinem Betrüger. Alles, was zählte, war ihm zu folgen, ihn zu hören. Er veränderte die Welt, von der wir glaubten, sie würde immer so sein – so hart, so ungerecht, so gefährlich, gemein und tödlich. Jesu Wort bewies anderes. Und die ihm folgten, rief er heraus aus den festgefahrenen Gesetzen dieser Welt.


Die Herausgerufenen! Auf griechisch: Ecclesia! Auf deutsch: Kirche!


Und seine Kirche heute? „Von Unzucht und jeder Art von Unreinheit oder Habsucht soll bei euch noch nicht einmal die Rede sein!“ Es kann nicht sein, dass das alles ist, was an Kirche übrig geblieben ist. Lange waren wir, Christi Kirche, eine moralische Instanz. Heute sind wir nur noch eine moralische Instanz. „Liebe deinen Nächsten! Sei nicht geizig! Gib auch mal etwas ab! Töte niemanden! Brich nicht die Ehe! Und ein Dieb sollst du auch nicht sein!“ So oder so ähnlich werden die 10 Gebote bemüht und sollen der Kern dessen sein, was Kirche noch zu sagen hat. Aber das alles, so sagen die Menschen heute, das alles wissen wir auch ohne die Kirche. All das tun wir auch, ohne dass eine Kirche uns das erst sagen muss. Natürlich ist Mord abscheulich. Natürlich ist der Ehebruch Betrug. Natürlich ist Diebstahl ein Verbrechen. „Herr Pastor, ich gehe zwar nicht in die Kirche, aber ich lebe nach den 10 Geboten. Da lebe ich doch christlicher als so mancher Kirchgänger, finden Sie nicht auch?“ Und der Pastor muss dann natürlich lächelnd dazu nicken und hat das Gefühl, seine Kirche schon wieder ein Stück belangloser und überflüssiger gemacht zu haben – dafür aber einen Menschen bestätigt, doch ein ganz anständiger Kerl zu sein.


Genau deshalb dürfen wir nicht aufhören, von Unzucht, Unreinheit und Habgier zu reden. Nicht unter uns – so sagt es ja schon der Epheserbrief. Wir sollen keinen Gedanken daran verschwenden. Aber deshalb ist die Habgier ja nicht aus der Welt. Je mehr wir uns um unser eigenes Leben kümmern, der Kirche verbieten, sich in mein privates Leben einzumischen, desto wilder und ungehemmter funktioniert die Gewalt des Bösen. Nicht im Leben der Einzelnen, aber in den Strukturen der Ausbeutung und des Unrechts. Uns reicht es, den Ehebruch zu verurteilen. Aber der Menschenhandel mit jungen Frauen blüht in Deutschland wie in keinem anderen Land Europas. Wir nehmen niemandem etwas weg mit unsrem Bausparverträgen und unsrer Ehrlichkeit. Aber wenn wir uns damit zufrieden geben, wächst die Habgier des Geldes ins Unermessliche. Geld bildet schon längst nicht mehr unsre Wirtschaft ab, sondern fließt in Massen in die Hände Weniger, die noch nie so viel gearbeitet haben, wie der, der nicht weiß, woher er die Miete für den nächsten Monat nehmen soll.


Nicht umsonst nennt der Epheserbrief Habgier und Unzucht beim Namen. Er tut es übrigens fast poetisch, im Dreiertakt - Unzüchtiger, Unreiner, Habsüchtiger – und mit vielen Wortspielen der griechischen Sprache. Schon daran wird deutlich, dass es nicht darum geht, einzelne Menschen mit Vorschriften zu gängeln. Es geht um viel mehr: Habsucht und Unzucht schaffen Unrecht und spalten die Menschen. Wer seiner Gier und seinen Trieben folgt, der wird nur sich selbst befriedigen. Der wird niemals nach dem Menschen fragen, den er ausbeutet, die er benutzt. Unzucht und Habgier teilt die Menschen ein in Täter und Opfer, in oben und unten, in Macht und Ohnmacht.


Die Kirche hat keine Moral in die Wohn- und Schlafzimmer eines jeden Menschen zu bringen, als sei sie der Hüter aller menschlichen Regeln. Sie hat den Menschen keine vom Himmel gefallenen willkürliche Regeln aufzudrücken. Kirche überwindet, was Menschen trennt: Schuld, Macht, Unrecht, Unterdrückung. Weil sie Jesus folgt und - wie er - erzählt von Vergebung, Vollmacht, Gerechtigkeit und Freiheit.


Es gibt weder Bedingungen, noch Voraussetzungen, um dem Gottessohn zu folgen, sich „heraus rufen“ zu lassen aus allem, was mir das Leben schwer macht, was mir diese Welt einreden will, wie ich zu sein, was ich zu tun habe, was ich leisten soll. Denn was es braucht, um ihm zu folgen, tat er schon für uns: Er vergab, was nicht zu vergeben war: Den Tod des Gottessohnes. Er war den Mächtigen dieser Welt ganz ohnmächtig ausgeliefert, er erfuhr Unrecht, und er war gefangen. Er hörte nie auf, uns anzusehen. Deshalb sind wir frei. Deshalb sind wir versöhnt. Deshalb sind wir gerecht. Deshalb ist uns vergeben. Wir! Wir gehören zusammen. Wir sind seine Kirche!


Gleichgültig, woher wir kommen. Aber gewiss, wohin wir gehen. Ohne Grenzen zwischen uns. Wir sehen uns an. Und erkennen nicht den Schuldigen, nicht den Reichen und nicht den Armen, nicht den, der Unrecht tat oder Unrecht litt. Wir sehen: uns allen ist vergeben. Wir alle sind befreit von dem, was dem Leben Last ist. Nichts soll uns trennen. Deshalb fleht der Epheserbrief seine Kirche an:


„So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.

Ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“


Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen



Pfr. Bodo Meier

Predigt über Eph 5, 1-9

Okuli

07.03.2021



Gebet


Gott, von unsren Irrwegen hol uns zurück! Halte uns ab, zu gehen, zu gehen, immer weiter zu gehen dorthin, wo du nicht bist!

Öffne uns die Augen für den Ort, an dem du wohnst – bei den Einsamen, den Müden, den Besorgten, bei denen, denen das Leben weh tut; bei denen, die leiden unter Worten, unter grußlosen Gesichtern und unter Händen, die quälen.