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Videopredigt zum Sonntag Lätare

Eine Predigt von Pfarrer Bodo Meier.



Online-Predigt zum Sonntag Lätare – 14. März 2021



Lieder zum Anhören, Genießen und Mitsingen:


Evangelisches Gesangbuch 98: Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt


Evangelisches Gesangbuch 396: Jesu, meine Freude




Predigt in Schriftform zum Nachlesen:


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unsrem Vater und unsrem Herrn Jesus Christus. Amen


Heute ist der Sonntag Lätare! Freut euch! Mit dem Sonntag Lätare ist die Hälfte der Passionszeit vorbei. Ich kenne zwar niemanden, der jetzt schon die Tage bis Ostern zählt, aber die Zeit ist nicht mehr lang, dass unser Fasten und Jesu Leiden ein Ende haben werden. Das macht Hoffnung. Mitten im Leiden vom Ende aller Leiden zu erzählen! Mitten in der Nacht zu wissen: Gerade weil die Nacht halb vorbei, ist der Morgen nahe, wie Paulus schreibt. Mitten in der Pandemie vom Ende aller Sorgen, aller Einschränkungen zu erzählen.


Das sind mehr als leere Worte, die uns durchhalten lassen. Es ist eine Kraft – gleichsam aus einer guten Zukunft, die uns hier und jetzt schon stärkt in schwerer Zeit. Oder wie wir Christen sagen: Es ist die Hoffnung auf den auferstandenen Christus, der uns sogar im Leid und im Tod das Leben zeigt, das Gott für uns bereit hält. Das klingt wie ein alter, komplizierter Glaubenssatz, der mir für mein Leben erst mal wenig sagt. Aber z.B. das Johannes-Evangelium der Bibel geht sogar noch weiter: Wir werden Gott nurerkennen im Leid und im Tod – so wie Christus ausgerechnet am Kreuz uns die Herrlichkeit Gottes gezeigt hat. Gott, der herrliche, ganz unten! Und da, ganz unten, zeigt er sich uns als der Gott aller Herrlichkeit.


So auch heute: Nicht Freude, weil das Leiden halb vorbei ist, sondern Freude, weil wir mitten in der Zeit des Leidens stehen. Es ist für uns Menschen schwer hinzunehmen, und eigentlich bis heute unglaublich, dass Gott diesen Weg gewählt hat, ihn als den einen Gott der Freiheit und des Lebens zu erkennen – nämlich als von Menschen Gefangener und Getöteter.


Oft würden wir Jesus Christus gern anders sehen. Wie es wohl gewesen wäre, wären wir damals dabei gewesen: Wie er seine Geschichten und Gleichnisse, seine Bilder des Himmelreichs erzählte, die wir ja nur aus der Bibel kennen. Wir hätten ihn gern gesehen, wie er mit seinen Jüngern durch die Lande zog. Oder gar beim Einzug in Jerusalem. Das sind die Bilder, die wir kennen seit den Tagen unsres Kindergottesdienstes. Das sind die Momente, wo wir gern dabei gewesen wären. Sie würden unsren Glauben stärken wohl für alle Zeit. Das Kreuz zu tragen, ist schwer. An das leere Grab zu glauben, so unsicher. Aber Jesus in Jerusalem, mitten unter seinen Jüngern, im Tempel, gleichsam in heiliger Aktion; davon zu hören, ist zwar schon Trost, ihn aber da zu sehen, würde selig machen in unseligen Zeiten. Oftmals erzählt die Bibel genau davon: Von Menschen, die ihn sehen wollen, ihn nur einmal berühren. So auch heute der Evangelist Johannes. Aber, die ihn sehen wollen, sind anders. Im 12. Kapitel heißt es:


„Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“


Wir wollen Jesus sehen. Ein paar Griechen sprechen einen von Jesu Jüngern an: Wir wollen Jesus sehen. Immerhin sind sie so freundlich, und reden den Jünger Philippus mit „Herr“ an, was dem nicht allzu oft passiert sein dürfte. Diese Griechen verfolgen also gar nicht so ungeschickt ihr Ziel. Wir wissen nicht, wie viele es waren. Wir wissen noch nicht einmal, ob sie aus Griechenland kamen, denn seit Alexander, dem Großen, ist das ganze östliche Mittelmeer durch und durch griechisch geprägt. Immerhin sind sie – mit vielen anderen Griechen – nach Jerusalem gekommen, um Passah zu feiern, um anzubeten. Nun, in den Tempel werden sie nicht gekommen sein, denn wir dürfen annehmen, dass sie keine Juden waren. Sie waren gewiss auf ihre Weise fromm, aber der Evangelist Johannes erzählt so ungenau von ihnen, als würde er sich nicht so recht für sie interessieren.


Aber: Diese Griechen wollten dabei sein. Passah war ein großes Event. Jerusalem eine große Stadt. Das kann man was erleben dieser Tage! Unsre paar Griechen waren wohl einfach neugierige Touristen. Und wie Touristen so sind, klappern sie jede Sehenswürdigkeit ab. Zweifellos gehört inzwischen auch Jesus dazu. Man hört so viel von ihm: Von seinem Wunder, Wasser in Wein zu verwandeln, bis hin zur unglaublichen Geschichte, er hätte einen Toten zum Leben erweckt. Den muss man doch gesehen haben. Aber wie bei allen Prominenten kommt man nicht so einfach an Jesus heran. Deshalb der Umweg über einen seiner Jünger: Wir wollen Jesus sehen. Und wieder sind sie recht geschickt. Philippus ist ein griechischer Name. Der wird uns wenigstens verstehen hier in diesem Sprachengewirr.


Philippus kommt sich plötzlich sehr wichtig vor: Ja, ich habe guten Draht zu Jesus, ich kann euch hinbringen und nimmt gleich Andreas mit, was seine Wichtigkeit unterstreicht. Auch Andreas ist ein griechischer Name. Und dann stehen sie vor Jesus, also Andreas und Philippus. Ob diese Griechen-Touristen dabei waren, erfahren wir gar nicht. Sie sind offensichtlich wirklich nicht wichtig. Der Evangelist erwähnt sie nie wieder. Selbst die offensichtliche Frage: „Jesus, dich wollen ein paar Griechen sehen“, hören wir nicht, lesen wir nicht. Nur Jesu Antwort, die eigentlich keine Antwort ist, weil ja niemand etwas gefragt hat. „Wenn das Weizenkorn…“ Und die beiden Jünger glauben schon zu wissen, was nun folgt. Waren die Griechen dabei, werden sie sich gefreut haben, etwas für ihr Poesie-Album zu bekommen. Denn Jesu Worte vom Samen, vom Weizen, von der Ähre sind bereits legendär: Es wächst von selbst. Es bringt hundertfach Frucht. Es wird im Überfluss ausgesät. Doch es kommt anders.


Redete Jesus bisher immer davon, dass seine Stunde noch nicht gekommen sei, oder sie höchstens nahe war, so ist sie nun gekommen. So sagt er. Und das Weizenkorn? Dieser Hoffnungsträger des Lebens? Das Korn muss sterben! Jetzt ist es heraus. Nicht, weil diese Griechen, also endlich alle Welt nach ihm fragt, nicht nur das Gottesvolk, sondern weil niemand, niemand etwas begriffen hat:


Nämlich Jesus sehen, heißt den Gottessohn sterben zu sehen!


Ihn kann man nicht sehen, weil man so viel von ihm gehört hat. Ihn kann man nicht berühren und gleich einer Zauberei von ihm geheilt sein. Sein Wort ist zu hören! An seine Zeichen dürfen wir glauben. Sein Kreuz! Das sehen wir und erkennen, dass das Weizenkorn gestorben ist. Darin liegt das letzte Wunder. Es bleibt nicht allein im Tode.

Denn die Waffe dieser Welt ist doch der Tod, mit der sie uns droht, vom Leben abgeschnitten zu sein in ewiger Einsamkeit. Jesus nimmt dieser Waffe alle Macht, weil er diesen Tod stirbt. Weil Jesus stirbt, wird das Leben neugeboren.


Nicht am Tod vorbei gemogelt, wie die, die aus lauter Lebensangst es täglich tun, ihn leugnen müssen und doch nur leben in vergrabener Furcht vor ihrem Tod, und deshalb mutlos, das volle Leben zu wagen.


Nein, Christus stirbt und zeigt uns darin Gottes Macht über den Tod mitten im Tod. Niemals mehr sind wir allein. Nicht im Tod nicht im Leben.

Freut euch! Lätare!


Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen


Pfr. Bodo Meier

Predigt über Joh 12, 20-24

Sonntag Laetare

14.03.2021


Gebet


Gott, wir danken dir.

Wir sind nachdenklich geworden. Wir haben viel in der Hand.

Aber dich bitten wir um Leben.

Hilf uns, bescheiden zu sein, zufrieden, friedvoll.

Hilf uns zu hören auf Worte, die heilen, zu achten auf Zeichen, die einen anderen Weg weisen.

Verschüttetes Vertrauen decke auf, dass du wieder wahr werdest unter uns auf der lauten Erde.

Und die Schreier, die Leben anbieten, aber Leben verderben, lass uns durchschauen, dass wir aufhören, ihnen zu folgen.

Und zeige uns, dass wir den Tod nicht fürchten müssen, weil du Leben schenkst, ihm zum Trotz.