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Videopredigt zum Palmsonntag

Eine Predigt von Pfarrerin Inge Rethemeier.

Online-Predigt zum Palmsonntag – 28. März 2021


Lieder zum Anhören, Genießen und Mitsingen:


Evangelisches Gesangbuch 91: Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken


Evangelisches Gesangbuch 14: Dein König kommt in niedern Hüllen



Predigt in Schriftform zum Nachlesen:

Wenn es um den Glauben geht, bekommt man so manches zu hören: „Glauben heißt nicht Wissen“ oder: „Ich glaube nur, was ich sehe“ oder: „Bei all dem Bösen in der Welt, da kann man doch nicht mehr glauben“ oder: „Wichtig ist nicht, was einer glaubt, sondern was er tut“.


Ganz anders sagt es da der Hebräerbrief in seinem 11.Kapitel: „Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Ist dies nur eine vollmundige Behauptung, die man nicht beweisen kann – sondern eben nur glauben?

Aber worin gründet dann dieser Glaube?


Der Hebräerbrief sagt: „In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.“ Es gibt also Zeugen für den Glauben. Wir finden genug davon in der Bibel. Da kann man es nachlesen, wie Gott Menschen begegnet ist, welche Erfahrungen sie mit ihm gemacht, wie sie mit ihm gelebt haben – und wie in alldem Glaube entstanden, gewachsen und fest geworden ist.


Und so erzählt er von Abraham: „Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, an einen Ort zu ziehen, den er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme. Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen im Land der Verheißung wie in einem fremden Land und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung. Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters, den sie hielt den für treu, der es verheißen hatte. Darum sind auch von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählig ist.“


Da lebte Abraham einst in Ur in Chaldäa im Zweistromland. Er hatte sich dort sein Leben aufgebaut, nannte einen stattlichen Besitz sein Eigen. Er war scheinbar gesichert und versorgt für ein langes Leben nach eigenen Plänen, Leistungen, Überzeugungen, Zielen und Maßstäben.


Doch da sagte Gott zu ihm: „Geh und verlass alles, was du aus dir selbst heraus bist, deine Heimat, deine Freunde, deine Bindungen. Verlass dich nur noch auf mich, lass dich weisen und führen in ein Land und Leben, das ich dir geben werde. Darin will ich dich segnen, und du sollst zum Segen werden für viele andere.“


Und Abraham nahm Gott beim Wort. Er hatte keine Sicherheit, aber im gehorsamen Tun fand er, dass Gott all seine Verheißungen erfüllte. Er fand ein Leben mit Gott, das besser war als alles, was er verlassen hatte, ein Leben, das sich lohnte.


So gründet der Glaube immer darin, dass Gott uns anredet, dass er uns beim Namen ruft und uns sagt: „Du bist ganz persönlich gemeint.“ Da wird sein Wort, das wir hören oder lesen, das uns andere zusprechen, zur Einladung und zur Aufforderung, diesem Wort zu trauen, ja uns ihm anzuvertrauen.


Da werden wohl auch wir manches verlassen müssen: Die Heimat des eigenen Selbstbewusstseins, dass wir sagen: „Ich kann vor Gott ruhig so bleiben, wie ich bin.“ – die Heimat der eigenen Wünsche und Pläne, dass wir sagen: „Wenn Gott nicht so handelt, dass ich es verstehe, dann ist er nicht mein Gott.“ – die Heimat der eigenen Lebensentwürfe, dass wir sagen: „Ich baue mir alles aus eigener Kraft auf, und wenn ich Gott bitte, dann nur, um mir bei diesem Eigenen zu helfen.“


Glauben heißt: Ich lasse all das Eigene zurück und lasse mich neu von Gott bestimmen, lasse mich mit ihm neu auf den Weg setzen, will Erfahrungen mit ihm machen und mich verändern lassen. Da gebe ich ihm meine Pläne und sage: „Dein Wille geschehe“. Ich gebe ihm mein Versagen und sage: „Herr, erbarme dich über mich“. Ich gebe ihm meinen Eigensinn und sage: „Zeige du mir, was gut für mich ist“. Und ich gebe ihm meine Schwäche und sage: „Halte mich in allem, was geschieht, in deiner guten Hand.“


So fand Abraham im Glauben aus seiner alten Heimat in die neue, in die ihn Gott führen wollte. Doch solange er lebte, hatte er nicht ein Stück Land, das sein eigen war. Allein als seine Frau starb, kaufte er für sie eine Grabhöhle. Dies war das einzige sichtbare Angeld auf die Verheißung, dass Gott ihm und seinen Nachkommen dieses Land geben werde. Er hatte kein Haus mehr, das ihm Sicherheit bot, sondern wohnte in Zelten, die jederzeit abgebrochen werden konnten. Dadurch lernte er es, nicht mehr aus sich selbst, sondern nur noch aus der Gnade Gottes zu leben, aus dem, was er gibt und schenkt, von einem Tag zum anderen.


So bedeutet Glaube immer: Ich lege mein Leben in Gottes Hand und empfange es mit allem, was zum Leben gehört, wieder aus seiner Hand.


Das beginnt mit den äußeren Gütern und Gaben, die nicht nur für uns selbst bestimmt sind, sondern immer auch zum Besten und zur Hilfe des anderen. Das gilt für unseren Verstand und unsere Fähigkeiten, dass wir sie so gebrauchen, wie es Gottes Willen entspricht. Das gilt auch für die Menschen, die mit uns leben: Sie sind weder austauschbar, erhalten ihren Wert nicht nach dem Nutzen, den sie uns bringen, noch haben wir einen Anspruch auf sie. Sondern sie sind Gottes Gabe und Aufgabe an uns, für die wir vor ihm verantwortlich sind.


Alles also in unserem Leben weiß der Glaube als ein Geschenk, unverdient und aus lauter Güte, bleibendes Eigentum des Herrn, das wir auch wieder loslassen sollen, wenn Gott es fordert: Menschen und Gesundheit, Ansehen und alle anderen irdischen Güter. Denn im Glauben wissen wir, dass nur eins lebensnotwendig für jeden Tag ist: dass Gott an uns denkt und uns hält, dass er treu ist und wir uns auf sein Wort verlassen können.


So lebte Abraham sein Leben lang als ein Gast auf Erden. Irdisch gesehen hatte er hier wahrhaftig keinen festen Stand. Aber er hatte ihn vielmehr in Gott, und er wusste, dass der ihn nicht fallen ließ, und das war mehr als ein festes Haus oder alle möglichen irdischen Absicherungen.


Darum richtete er sich nicht in dieser Welt ein, sondern er wusste sich auf einer Wanderung zu einem großen Ziel: dorthin, wo er einmal bei Gott ganz und endgültig zu Hause sein würde.


So heißt Glaube: Ich weiß zwar nicht, was der morgige Tag bringt, aber ich kenne den, der ihn bringt. Und weil der Ja zu mir sagt, darf ich mich auf jeden Tag freuen und über jedem Tag danken, was auch geschieht. Ich weiß zwar nicht, wie lange mein Leben dauert. Aber ich weiß, dass das, was er an mir tut, nicht mit dem Tod zu Ende ist, sondern dass er mich im Leben und im Sterben festhalten und dann ganz nach Hause vor sein Angesicht bringen will.


Und diese Glaubensgeschichte ging immer weiter, weil Gott dafür sorgte, zu seiner Zeit und auf seine Weise. Abraham und Sara waren lange kinderlos. Aber was Menschen nicht vermögen, das schafft Gott. Das fing ganz klein an und wurde ganz groß: am Anfang ein Kind und durch die Generationen Nachkommen, die man nicht mehr zählen kann – so wie es Gott verheißen hatte.


Wer glaubt, braucht also niemals mehr zu sagen: „Wir Christen werden doch immer weniger. Oft denke ich, ich bin in meiner Umgebung ganz allein.“ Da gibt es so viel Resignation und so wenig Hoffnung und Zuversicht. Aber auch hier ist Gott noch lange nicht zu Ende. Immer wieder ruft er Menschen und weckt sie zum Glauben, stärkt ihr Vertrauen, ermutigt sie zu einem Leben mit ihm und gibt ihnen ein Zuhause in seiner Gemeinde.


Denn als Gott an Abraham handelte, hat er auch schon an uns gedacht. Was Gott damals tat, sollte auch uns zum Zeugnis werden. Wir werden hineingenommen in seine Heilgeschichte mit uns Menschen und seiner ganzen Welt. Denn als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Hier bezeugt er sich letztgültig in seiner ganzen Liebe und Fürsorge für uns – fester Halt und Anker für unseren Glauben.


Und so heißt es: „Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht die Verheißung erlangt, weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat: dass sie nicht ohne uns vollendet würden. Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.“


Darum aber dürfen wir mit Jesus und um seinetwillen vertrauen: „Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ Denn das, was wir hoffen, ist kein Wunschgebilde, sondern das ist der Herr, der uns hält. Und das, was wir nicht sehen, ist keine Träumerei, sondern sein festes und verlässliches Wort. Diesen Glauben aber gilt es, immer wieder zu wagen, zu ergreifen, zu lernen und darin zu wachsen – damit wir nicht matt werden und den Mut nicht sinken lassen.


Amen


Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre Eure Herzen und Sinne

in Christus Jesus, unserem Herrn, zum ewigen Leben.

Amen.



Gebet:

Der Herr segne dich,

er lasse dein Leben gedeihen,

er lasse deine Hoffnung erblühen,

er lasse deine Früchte reifen.


Der Herr behüte dich,

er umarme dich in deiner Angst,

er stelle sich vor dich in deiner Not.


Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir,

wie ein liebevoller Blick erwärmt,

so überwinde er bei dir, was erstarrt ist.


Der Herr sei dir gnädig,

wenn Schuld dich drückt,

dann lasse er dich aufatmen

und mache dich frei.


Der Herr hebe sein Angesicht auf dich,

er sehe dein Leid, er tröste und heile dich;

er schenke dir das Wohl deines Leibes

und das Heil deiner Seele.


Er gebe dir in allem seinen Frieden.


Amen.