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Ostersonntag: Der Tag der Auferstehung.

Eine Predigt von Inge Rethemeier.



Der Tod hat seine letzte Macht verloren


Predigttext: 1.Korinther 15,19-28


Was ist uns eigentlich am Grab eines vertrauten Menschen wichtig, liebe Gemeinde? Die Antwort ist oft diese: Natürlich, dass der Verstorbene noch einmal recht vor Augen gemalt und gewürdigt wird, damit er weiter lebt in einer guten Erinnerung unter uns. Viele Sprüche auf den Todesanzeigen und Nachrufe in den Zeitungen unterstreichen das.


So verständlich das ist, wäre das alles, so wäre das doch irgendwann zu Ende, spätestens wenn die sich Erinnernden sterben. Und wir wären letztlich ohne Hoffnung wie alle anderen Menschen auch. Denn tot ist nun einmal tot, und – wie wir sagen zurückgekommen ist noch keiner.


Nun aber ist einer zurückgekommen, und deshalb wird Gott sei Dank über unseren Gräbern noch eine andere Botschaft verkündigt: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten.“ Und immer wieder stellt uns Gott damit vor die entscheidende Frage: Glaubst du das?


Oder „hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus?“ Dann wäre es so gewesen: Nach Jesu Tod am Kreuz waren die Jünger traurig und verzweifelt. Am Ostermorgen salbten die Frauen den Leichnam, denn das Grab war natürlich nicht leer, das sind Gräber nie am dritten Tag. Doch mit der Zeit fassten sich die Jünger, sie erinnerten sich an die guten Worte und Taten Jesu und hielten sie für überlieferungswert, als Richtschnur und Ansporn für das eigene Leben. Und dadurch blieb der verehrte Meister eben unter ihnen lebendig – und nicht anders ist es bis heute unter denen, die sich in Erinnerung an ihn Christen nennen.


Doch wäre es das allein, so „sind wir die elendesten unter allen Menschen.“ Denn diese „Auferstehung“ Jesu endet immer noch mit dem Tod. Wenn aber Jesus tot ist, warum soll ich dann mein Leben diesem Jesus als meinem Herrn und Heiland anvertrauen? Am Ende bin ich ja immer noch allein und verloren.


Deshalb aber fehlt unserem christlichen Glauben, wenn die Auferstehung Jesu nicht wirklich geschehen und wahr ist, nicht etwas, sondern er ist letztlich leer und bedeutungslos und trägt nicht weiter als viele andere kluge Lehren dieser Welt auch – eben bestenfalls bis zum Tod.


Wenn aber der Tod am Ende doch das Feld behält und auch Christus sein Opfer ist, dann lohnt es sich nicht, sein Leben auf ihn zu gründen, denn dann ist dieser Grund so vergänglich wie alles andere Irdische auch. Der Tod bleibt das Grundproblem und das große Fragezeichen. Wer hier keine Antwort weiß, dessen Antworten sind auch im Leben nicht verlässlich.


Und darum nennt Paulus den Tod den „letzten Feind“. Der Tod ist also mehr als der natürliche Gegenpol der Geburt, ein Enden und Vergehen, wie es überall in der Natur zu beobachten ist.


Jeder Mensch ist von Gott gewollt und ins Leben gerufen. Wir alle werden von Gott beim Namen genannt und auf unseren Weg gestellt, den wir mit ihm gehen sollen. Dazu redet er uns an, wir dürfen zu ihm kommen und ihm antworten. So sollen wir das Leben gewinnen, Sinn und Halt finden. Aber das endet nicht einfach deshalb, weil die Zeit verrinnt und die Uhr irgendwann einmal abgelaufen ist. Sondern wir sterben alle „in Adam“.


Adam war der Anfang, und wir sind alle seine Kinder. Er war der erste, der lieber ohne Gott leben wollte, dem es nicht gefiel, dass sein Leben abhängig sein sollte von Gott, sondern es lieber in seine eigene Hand nehmen wollte. Er hat den Graben aufgerissen, der nicht wieder zu schließen war.


So war er der Erste, der auch erleben musste, wie ihm dadurch alles zerbrach: das ungeteilte Vertrauen zu Gott, der Einklang mit den Mitmenschen, das Bejahenkönnen des eigenen Lebensweges. Der Zweifel an der Güte Gottes hielt Einzug, Streit und Missgunst den Nächsten gegenüber, das Hadern mit dem eigenen Schicksal. Und am Ende steht der Tod, der den Sinn noch einmal grundsätzlich in Frage stellt und das Leben abschneidet und beendet.


Adam war der erste, und in unser aller Leben wiederholt sich diese Geschichte unausweichlich. Und am Ende sterben wir alle, und es ist aus mit uns. Und niemand kann es ändern, dass uns diese Grenze gesetzt ist. Wenn eines in unserem Leben gewiss ist, dann ist es der Tod.


Er ist Folge unserer Trennung von Gott. Und darum kann auch nur Gott selbst etwas daran ändern, indem er diesen Abgrund überwindet. Genau das aber hat er getan in Jesus. Er kam nicht zu uns, um uns allein für unser Leben ein paar gute Worte und für diese Zeit ein Vorbild zu geben. Sondern er kam, um die Sünde, den trennenden Graben von Gott, zu überwinden, die der Tod uns immer wieder überdeutlich vor Augen führt.


Er, der Lebendige, kann allein den letzten Feind, den Tod, überwinden. Wir können das nicht. Wir sind noch allemal seine Opfer. Aber nun „ist Christus auferstanden von den Toten“, und zwar wirklich und wahrhaftig, nicht nur in unser Erinnern und Gedenken. Gott hat dem Tod, der uns allen seine Grenze setzt, gezeigt, wo seine Grenze ist, nämlich an ihm selbst, indem er Christus aus dem Tod herausrief.


Doch hat der Tod einmal seine Beute hergeben müssen, dann hat er seine letzte Macht verloren. Dann gibt es eine Rettung im Tod auch für uns. Da hat Christus am Kreuz bezahlt für alles, was uns von Gott trennte und uns den Tod brachte. Und so hat der Tod auch über uns nur noch ein begrenztes Recht.


Wir müssen zwar, weil wir Adams Nachkommen sind, noch hinein, aber wenn auch die Tür hinter uns zufällt, so hält sie Christus für uns nach vorn weit offen. Mit ihm finden wir hindurch zu Gott, der mit offenen Armen auf uns wartet.


An dem einen, der zurückgekommen ist, an dem lebendigen Christus, kann man es schon sehen. Und für uns alle gibt es seitdem eine lebendige Hoffnung, wie wir es schon am Anfang gesungen haben: „Ich hang und bleib auch hangen an Christum als ein Glied. Wo mein Haupt durch ist gangen, da nimmt er mich auch mit.“


„Jesus lebt, mit ihm auch ich“, das ist Zuversicht, die deshalb immer wieder groß gemacht werden muss. Denn das ist die Verheißung und Zusage, die die Welt verändert. Der Fürst dieser Welt ist entmachtet vom Herrn und Heiland dieser und aller Welt.


Es ist nicht mehr alles sinnlos, weil es ja doch irgendwann im Tod endet. Es gibt mehr als die Spuren, die wir in der Erinnerung unserer Mitmenschen hinterlassen. Gott hat uns in seine Hände gezeichnet, und diese Inschrift löscht auch der Tod nicht mehr aus. Sein Ja, das er uns in der Taufe zugesprochen hat, verliert nicht mit dem Sterben seine Gültigkeit. Seine Worte sind nicht zeitliche Weisheiten mit natürlichem Verfallsdatum, sondern haben Ewigkeitswert. Weil sie selbst im Tod wahr bleiben, können sie auch hier unser Leben tragen und ihm die Richtung weisen.


Diesem Christus können wir uns getrost anvertrauen, denn er lässt uns nicht fallen und wird uns nicht einmal dem Tod überlassen müssen. Noch sehen unsere Augen das Sterben, aber unser Glaube sieht weiter. Was mit Ostern begonnen hat, hat unausweichliche Folgen – wie eine Geburt, wenn sie einmal in Gang gekommen ist, nicht mehr aufzuhalten ist.


Und so spannt Paulus hier den Bogen seiner Botschaft weit hinaus. Der Anfang war die Auferstehung Christi, und nun ist es nicht mehr aufzuhalten und kommt gewiss. Wer ihm hier vertraut und sich in seine Hand gibt, den kann selbst der Tod nicht mehr herausreißen. Der findet mit Christus hindurch und geht nur gleichsam von der einen in die andere Hand Gottes.


Was wir so aber hier schon glauben, weil wir Christus als dem Lebendigen vertrauen, das wird einmal sichtbar und für alle Welt gewiss. Einmal werden alle Christus als den Herrn erkennen, und es wird sich zeigen, wer ihm im Leben vertraut und deshalb mit Christus durch den Tod nach Hause gefunden hat.


Dann wird der Tod mit all seiner Macht und seinen Rätseln endgültig besiegt sein. Alles, was das Leben und Sterben oft so schwer gemacht hat, wird zu Ende sein. Es wird kein Leid, kein Geschrei und keinen Schmerz mehr geben. Alle Fragen und Zweifel werden zur Ruhe kommen, und die Tränen werden getrocknet. Der Tod wird auch keine vorletzte Macht mehr haben. Alles, was uns von Gott trennte und unser Leben in Frage stellte, hat keine Bedeutung mehr.


Und Christus wird sagen: Vater, meine Aufgabe an deinen Menschenkindern ist vollendet. Ich gebe sie dir zurück. „Und Gott wird sein alles in allem.“


Ist das nicht die beste Botschaft von der Welt? Ist sie es nicht wert, immer wieder über unseren Gräbern verkündigt zu werden? Berührt sie nicht unser Herz so sehr, dass sie auch uns Hoffnung gibt und Zuversicht – damit wir wissen, dass wir einmal nicht verloren gehen, sondern zu Hause sein dürfen bei Gott – und deshalb nichts Lieberes wissen, als diesem Herrn zu vertrauen, und nichts Besseres tun, als uns ihm gern anzuvertrauen und mit ihm zu gehen, jetzt durchs Leben und dann bis ans Ziel?


Amen.


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