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Erste Komplet zur Fastenzeit



1. Passionskomplet (19. Februar 2021)

Lasst uns beten um Gottes Segen!

Eine ruhige Nacht und ein seliges Ende,

verleihe uns der Herr, der Allmächtige.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir bekennen Gott, dem Allmächtigen,

dass wir gesündigt haben mit Gedanken, Worten und Werken:

unsere Schuld, unsere Schuld, unsere große Schuld

Darum lasst uns füreinander beten zu Gott, unserm Herrn:

Der allmächtige Gott erbarme sich unser,

er vergebe uns unsere Sünde und führe uns zum ewigen Leben.

Amen.

Sei mir gnädig, Herr,

und erhöre mein Gebet.

Erhöre mich, wenn ich rufe,

Gott meiner Gerechtigkeit,

der du mich tröstest in Angst;

sei mir gnädig und hört auf mein Beten!

Ihr Herren, wie lange soll geschändet werden meine Ehre?

Wie habt ihr das Eitle so lieb und die Lüge so gerne

Erkennt doch, dass der Herr seine Heiligen wunderbar führt;

der Herr hört, wenn ich zu ihm rufe.

Wenn ihr zürnt, so sündigt nicht;

redet in eurem Herzen auf eurem Lager und seid stille.

Sei mir gnädig, Herr,

und erhöre mein Gebet.

Opfert, was recht ist,

und hoffet auf den Herrn.

Viele sagen: „Wer lässt uns Gutes sehn?“

Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Angesichts!

Du erfreust mein Herz,

ob jene auch viel Wein und Korn haben.

Ich liege und schlafe ganz in Frieden;

denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne. (Ps. 4)

Sei mir gnädig, Herr,

und erhöre mein Gebet.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit

und in Ewigkeit. Amen.

Sei mir gnädig, Herr,

und erhöre mein Gebet.

Thema der 1. Fastenwoche:

Alles auf Anfang“

Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her,

im Anfang, ehe die Erde war, (...)

als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern,

dass sie nicht überschreiten seinen Befehl;

als er die Grundfesten der Erde legte,

da war ich beständig bei ihm;

ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit;

ich spielte auf seinem Erdkreis

und hatte meine Lust an den Menschenkindern. (Spr. 8, 23+29-31)

Auslegung (Pfarrer Bodo Meier):

Fasten ist populärer als man denkt. Viele Menschen fasten. Auf vielfältige Weise. Jetzt am Beginn der Fastenzeit berichten nahezu alle Medien vom tieferen Sinn des Fastens, vom Fasten in modernen Zeiten. Das reicht vom „Zucker-Fasten“ bis zum „Auto-Fasten“, vom „online-Fasten“ bis zum „Handy-Fasten“ – wobei Letzteres niemand so ernst nimmt.


War vor einen halben Jahrhundert das Fasten out, weil altmodisch und spießig und deshalb falscher Gehorsam gegenüber einer überalten und überalterten Kirche, so kommt Fasten wieder in Mode, wenn auch für die meisten freilich ohne die Kirche. Fasten ist in der liberalen, bürgerlichen Schicht angekommen.


Da liest man Ratgeber, lernt, wie man durch Fasten zu sich selbst findet,

wie Fasten Körper und Geist gut tut. Wer also nicht nur so vor sich hin leben will, sondern achtsam mit sich selbst umgeht, der fastet. Nur die Gedankenlosen und Gleichgültigen essen noch Zucker und fahren noch Auto. Kluge Menschen wissen längst, dass Zucker das neue Nikotin ist und Autofahrer – besonders Besitzer eines Diesels – potentielle Mörder sind (das musste ich wirklich so lesen!).


Modernes Fasten hat also etwas mit Klugheit und Bildung zu tun. Nur gebildete Menschen denken über ihr Leben nach und fasten, konzentrieren sich also auf das Wesentliche. Nur kluge Menschen wissen, was wirklich wichtig ist im Leben und lassen alles andere weg – fasten also!


Genau darin gleicht das moderne Fasten dem aus biblischer Zeit. Nur die gebildete Schicht der Gesellschaft erfasst den tiefen Sinn vom Fasten. Damals war es die Oberschicht angesehener Schriftgelehrter und Pharisäer. Heute ist es die wohlhabende Mittelschicht der Akademiker.

Wer fastet, wirkt weise. Nur wer das Leben kennt, seine Weite und Tiefe begreift,

der weiß auch darum, wie sinnvoll das Fasten ist. Die Pharisäer ließen sich öffentlich für ihr Fasten bewundern, konnten doch alle daran ablesen, wie klug sie über das Leben nachdachten.


Wer heute fastet, fühlt sich moralisch ebenfalls ein wenig besser, weil er etwas Kluges tut, was andere nicht tun, also nicht so klug sind. Genau wie die Pharisäer damals denken wir heute:

Wenn nur alle so klug wären wie wir, dann wäre die Welt ein besserer Ort. Deshalb ist Fasten nicht nur weise, sondern auch eine ernste Sache, weil wichtig und zukunftsweisend: Keine Autos mehr und das Klima ist gerettet. Kein Zucker mehr und die Menschen wären gesünder.

Nur wer so ernsthaft über das Leben nachdenkt, besitzt eine Weisheit, die andere eben nicht haben. Weisheit ist eine Lebensklugheit und war immer schon eine ernste Sache. Beim Gedanken an Weisheit haben die meisten von uns das Bild eines Einsiedlers im Kopf, der fern allen menschlichen Treibens zu Einsichten kommt, die anderen verschlossen sind. Weisheit ist auch Lebenserfahrung. Der weise Mensch musste viel erleben. Was das Leben ihn erleiden ließ, brachte ihn zur Weisheit.


Weisheit und Verzicht. Weisheit und Leiden. Das gehört irgendwie zusammen. Ein weiser Mensch, der isst und trinkt, mit Freunden feiert und das Leben in vollen Zügen genießt: Den können wir uns nicht so recht vorstellen. Genau das warfen die Pharisäer ja auch Jesus vor. „Der kann die Weisheit Gottes nicht predigen, der sitzt doch mit den dummen Leuten zusammen und trinkt auch noch Wein mit ihnen. Wer einmal ernsthaft gefastet hat, der weiß, dass das Leben kein Spiel ist.“

Aber: Wer einmal gefastet hat, 40 Tage wie Jesus in der Wüste, der hat die Freiheit erfahren, sogar mit dem Teufel zu spielen.


Denn die Weisheit Gottes spielt. Im Buch der Sprüche aus der Heiligen Schrift spricht die Weisheit selbst: „Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her. Als Gott die Grundfesten der Erde legte, da war ich beständig bei ihm und spielte vor ihm allezeit; ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.“

Gott war nicht allein, als er die Welt schuf. Die Weisheit war von Anfang an dabei. Gott schuf Himmel und Erde. Gott ging aus sich selbst heraus: Schon war es Gottes Geist, der über den Wassern schwebte. Es war die Weisheit, zu der Gott rief: Lasst uns (!) Menschen machen. Gott, Gottes Geist, Gottes Weisheit! Von Anbeginn der Zeit war Gott sich selbst nicht genug. Er wollte hören. Er suchte, wer ihn hören sollte. Gott spielte von Anfang an.


Denn Spielen ist mitnichten ein sinnfreier Zeitvertreib, schon gar nicht die Risiko-Wette. Spielen ist die schöpferische und fantasievolle Suche nach lebendiger Ordnung. Deshalb spielen wir Menschen bis heute nicht nur Kinderspiele, sondern wir spielen Theater, wir spielen Musik.


Darin erschaffen wir immer neue Ordnungen und Regeln, erschaffen Welten für all unsre Sinne. Genau so spielte die Weisheit vor Gott: Sie gab seiner Schöpfung die Ordnung des Lebens. Gott schuf diese Welt nicht für sich. Er schuf auch keine Welt, deren Ordnung unveränderlich ist. Er schuf erst recht keinen Menschen, der für sich allein das Leben versteht, erfährt, genießt. Wir Menschen brauchen das Wort, das wir sagen, brauchen das Wort, das wir hören. Wir brauchen die Hand, die uns berührt, und wir reichen unsre Hand in der Hoffnung, dass sie ergriffen wird.


Darin sind wir Gott ähnlich, weil unser Gott eben keine starre Gottheit ist, die in sich selbst ruht, sich selbst darin genügt. Nein: Gott, Geist und Weisheit! Schöpferisch – gleich einem Spiel – schenkten sie uns Leben. Vater, Sohn und Heiliger Geist! Was den Pharisäern wie verschwendete, vertane, verspielte Zeit vorkam, wie Jesus mit den Menschen sprach und ihnen zuhörte, war doch nichts anderes als das Spiel der Weisheit vor dem Gott des Lebens. Es war die Erschaffung einer neuen Ordnung für das Lebens.


„Lasst euch doch auf dieses Spiel ein: Tut etwas, was ihr nie tun würdet: Trinkt ein Glas Wein mit denen, die ihr nicht leiden könnt.“ Nur ein Gedankenspiel. Aber es kann die Welt verändern. Nicht ernst und voller Mühe und Plage nach dem Ringen um weise Einsichten in das schwere Leben. Kein Fasten als selbst auferlegter Verzicht. Sondern ein Fasten von eben genau all dem! Jesus 40 Tage in der Wüste!


Natürlich hatte er Hunger. Er sehnte sich nach dem Spiel Gottes: Nach seinen Geschöpfen, sie zu hören und ihnen zu sagen: Gottes Wort erfüllt sich nicht in der Last lebenskluger Einsiedelei. Gottes Wort ist Lust an seinen Menschenkindern, denn seine Weisheit spielt jeden Tag eine neue Melodie, sucht, wer spielen will, nach Gottes ewig neuen und immer lebendigen Ordnungen.


Wer fastet, sucht nicht sich, sondern den anderen. Wer weise ist, lässt sich auf Gottes Schöpfung ein, mitten ins Leben hinein. Gleich einem Spiel, das niemand verlieren kann. Außer der Teufel. Soll der doch zu sich selbst gehen. Wir aber wollen nicht zu uns selbst finden. Wir schauen lieber der Weisheit zu, wie sie vor Gott spielt mit ihrer Lust am Leben.

Hilf uns, Herr, wenn wir wachen

und behüte uns, wenn wir schlafen;

auf dass wir wachen mit Christus

und in Frieden ruhen.

Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren,

wie du gesagt hast;

denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,

den du bereitet hast vor allen Völkern,

ein Licht, zu erleuchten die Heiden

und zum Preis deines Volkes Israel.

Hilf uns, Herr, wenn wir wachen

und behüte uns, wenn wir schlafen;

auf dass wir wachen mit Christus

und in Frieden ruhen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit

und in Ewigkeit. Amen.

Hilf uns, Herr, wenn wir wachen

und behüte uns, wenn wir schlafen;

auf dass wir wachen mit Christus

und in Frieden ruhen.

Gott, Schöpfer,

lehre mich das Spiel mit den Steinen,

die mir in den Weg gelegt werden.

Gott,

lass mich deine Weisheit sehen,

wie sie mit Fantasie das Grau des Alltags

in die Farben des Lebens taucht.

Gott,

dein Geist belebe mich,

dass deine Geschöpfe ihre Lust an mir haben.

Kyrie eleison.

Christe eleison.

Kyrie eleison.

Vater Unser im Himmel.

Geheiligt werde dein Name,

dein Reich komme,

dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute

und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.


Amen.

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